We live in an oversexed but underfucked world.

In allen Medien werden wir mit permanenter Nacktheit und Sex bombardiert. Ob als schamloses Vojeurismus-TV oder indirekte sexuelle Anspielungen, der Alltag ist voll von Bildern, die Erotik symbolisieren. Dazu kommen immer neue Ratgeber, Zeitschriften und Shows, die suggerieren, dass wir alle ein Problem mit unserer Sexualität haben. Darüber wird nicht gesprochen und wenn doch gilt es als provozierend.

„Tittentanz im Spitzenschlüpfer – Berlins erste Lesung zum Ankieken“ nimmt die Schwere von dem Thema Sex, gibt der Erotik etwas Natürliches und Zwangloses. Sexuelle Frustration, nervige Partner, Hängebrüste und mangelhafte Penisdimensionen werden erträglicher, sobald sie öffentlich als Witz daherkommen, jeden gleichstellt und freispricht von Peinlichkeit.

Events sind ein nach wie vor boomender Markt.

Geschlechterspezifischer Humor ist als subtile Andeutung wie auch als oberflächliche Klischeeansammlung absolut im Trend. Beispielhaft dafür steht die erfolgreiche Show von 2008 „Männer sind primitiv, aber glücklich!“ des Comedian Mario Barth. Das humoristische Feld wird in der Lesung von der Alltagsproblematik Mann-Frau auf die sexuelle Ebene verschoben, von „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ hinzu „Hängebrüsten und mangelhaften Penisdimensionen“.

Seit den 20er Jahren zählt man den Burlesque als eine weitere Gattung des nordamerikanischen Unterhaltungstheaters. Trotz vieler Bedeutungs- verschiebungen im Laufe des Jahrhunderts verspricht der Begriff Burlesque heute eine Art des sinnlichen und humorvollen Tanzes auf hohem Niveau. Akteure entkleideten sich nicht vollständig, sondern entledigten sich nur gewisser Kleidungsstücke. Das Ausziehen bis auf Dessous wird dabei als erotische Attraktion wahrgenommen.

Die Wiederentdeckung dieses sinnlichen Vergnügens, verknüpft mit der Kunst des humorvollen Tanzes, steht im Gegensatz zur alltäglichen Nacktheit und zum platten Sexgewitter in Medien, Mode und Werbung.